Vertrauen zurückgewinnen – lerne, dir und deinem Leben zu vertrauen

Vertrauen zurückgewinnen – lerne dir und deinem Leben zu vertrauen

Vertrauen aufbauen trotz der Angst

Wenn eine Angststörung oder diese Panikattacken beginnen, verändert sich weit mehr als nur das körperliche Befinden. In dem Moment, in dem die Angst scheinbar ohne Grund die Kontrolle übernimmt, leidet vor allem ein Gefühl: das Vertrauen. Von heute auf morgen verändert sich die Wahrnehmung der eigenen Sicherheit und auch des eigenen Vertrauens in sich. Der eigene Körper fühlt sich plötzlich unberechenbar an, und alltägliche Situationen werden mit einem Mal zu einer echten Herausforderung.

Man hat das Gefühl, den eigenen Reaktionen hilflos ausgeliefert zu sein. Das Vertrauen ist angeknackst – in sich selbst, in die eigene Gesundheit und in die Zuverlässigkeit des morgigen Tages. Vielleicht in das gesamte Leben.

Die Frage, die sich in dieser Phase aufdrängt, lautet: Wie soll ich jemals wieder darauf vertrauen, dass alles gut wird, wenn mein System jederzeit auf Alarm schalten kann? Vertrauen lässt sich nach so einer Erschütterung nicht einfach per Willenskraft erzwingen. Es ist ein Gefühl, das man ganz vorsichtig, Schritt für Schritt, neu aufbauen muss.

Vertrauen und der Irrtum

Lange Zeit dachte ich, dass ich erst wieder Vertrauen ins Leben fassen kann, wenn ich die Garantie habe, dass mir eine Panikattacke nie wieder passiert. Ich wollte die totale Sicherheit, bevor ich mich wieder unbeschwert vor die Tür wage. Doch das ist ein großer Trugschluss auf dem Weg der Besserung.

Echtes Vertrauen ist keine Versicherungspolice gegen unangenehme Gefühle. Es ist nicht der Glaube daran, dass dir nie wieder etwas Schweres zustoßen wird.

Wahres Vertrauen ins Leben bedeutet etwas viel Tieferes: Es ist die Gewissheit, dass du eine Phase der Angst oder eine Panikattacke überstehen kannst. Das ist das Wissen um deine eigene Belastbarkeit. Vertrauen wächst nicht im Zustand der absoluten Angstfreiheit, sondern mitten in der Erfahrung. Du lernst nicht, wieder zu vertrauen, indem du jede Unsicherheit verhinderst, sondern indem du erlebst, dass du trotz der Angst die Situation bewältigen kannst.

Und gerade das war für mich sehr schwierig zu verstehen. Dennoch habe ich nach und nach diesen Weg eingeschlagen, weil ich dachte: „Okay, ich versuche es, wenn es nicht funktioniert, ist es halt so.“ Denn mein Vertrauen war echt komplett am Boden.

Vertraue dir selbst – gewinne das Vertrauen zurück

Der schwerste Vertrauensbruch bei einer Angststörung findet nicht im Außen statt, sondern im eigenen Inneren. Wenn das Herz plötzlich schneller schlägt, der Schwindel einsetzt und man sich unwohl fühlt, Einkäufe oder das Autofahren meidet, ebenso gesellige Runden mit anderen Menschen, erscheint der eigene Körper wie ein Sicherheitsrisiko. Man fängt an, ihn permanent zu überwachen, und reagiert auf jedes noch so kleine Signal mit großer Sorge.

Um dieses Vertrauen zurückzugewinnen, hilft es, die Perspektive auf unsere Symptome zu verändern. Dein Körper ist nicht dein Feind. Er ist kein defektes System, das dich quälen will.

In Wahrheit ist eine Angstreaktion der evolutionär tief verankerte Versuch deines Körpers, dich vor einer Gefahr zu schützen. Dein biologisches System läuft nicht Amok – es arbeitet eigentlich fehlerfrei, nur eben nicht perfekt bei einer Angststörung. Wenn du lernst, die körperlichen Symptome bei Angst nicht mehr als Vorboten eines drohenden Zusammenbruchs zu interpretieren, sondern als einen gut meinenden Schutzmechanismus, verändert sich vieles. Du musst deinem Körper nicht beibringen, aufzuhören, zu fühlen – du darfst lernen, mit ihm durch die Welle zu gehen, ohne die Geduld mit dir selbst zu verlieren.

Ebenso deine Gedanken, die dich täuschen. Sie zeigen dir in den Angstphasen unrealistische Katastrophen auf, die nicht der Lebenswirklichkeit entsprechen. Lese mehr darüber – MENTAL-GEGEN-ANGST!

Schritt für Schritt – mit Grenzen der Belastbarkeit

Wenn das Vertrauen beschädigt ist, neigen wir oft dazu, uns komplett zu überfordern. Wir nehmen uns vor, ab morgen wieder fehlerfrei zu funktionieren und angstfrei zu sein. Wir werden so aber an unsere Grenzen stoßen und ziehen uns frustriert zurück. Das Vertrauen sinkt dadurch weiter.

Und genau das habe ich einige Male erlebt. Ich habe mir ein Ziel gesetzt, bin aktiv geworden, habe meine Belastungsgrenze überschritten und war frustriert. Dachte schon ans Aufgeben. Immer wieder hat meine Frau mir Mut gemacht, nicht aufzugeben. So habe ich dann das Ziel kleiner formuliert und an meine Belastungsgrenzen gedacht.

Der Weg zurück in die Zuversicht gelingt viel besser über das Prinzip der kleinen Zusagen. Setze dir Ziele, die dich fordern, aber nicht überfordern. Jedes Mal, wenn du eine Situation meisterst, obwohl die Angst im Hintergrund spürbar war, machst du eine wertvolle Erfahrung: Ich habe mir etwas vorgenommen, ich habe die Unruhe gespürt, und ich habe es trotzdem geschafft.

Dieses Vertrauen baut sich wie ein Mosaik zusammen. Jeder bewältigte Gang zum Supermarkt, jedes Telefongespräch, bei dem du trotz Anspannung geblieben bist, ist ein kleiner Stein in diesem Bild. Mit der Zeit merkt dein Gehirn, dass das Leben tragfähig ist und du selbst viel stabiler bist, als die Angst dich glauben lassen will.

Meine Erfahrungen

Wieder Vertrauen ins Leben zu finden, bedeutet nicht, dass die Angst nie wieder auftauchen darf. Es bedeutet, die Gewissheit zu entwickeln, dass du stärker bist als die Angst.

Heute weiß ich, dass das Leben mir nicht feindlich gesinnt ist, nur weil mein Nervensystem manchmal empfindlich reagiert. Das Vertrauen kam in dem Moment zurück, als ich aufhörte, einerseits zu viel von mir selbst zu fordern, und auch gegen die Angst zu kämpfen.

Wichtig ist, dir und deinem Körper wieder Zeit zu geben. Das Leben ist vielleicht nicht immer planbar oder perfekt kontrollierbar, aber es ist absolut wert, dass man ihm, und vor allem sich selbst, wieder eine Chance gibt.

Vertrauen kommt zurück, weil du den Alltag trotz der Unsicherheit Schritt für Schritt lebst. Am Ende ist es dann deine Erfahrung. Je öfter du trotz Herzrasen oder Schwindel deine Termine wahrnimmst, desto besser kommst du mit der Angst zurecht. Echtes Vertrauen wächst nicht, indem du darauf wartest, dass die Angst komplett verschwindet. Es entsteht genau in dem Moment, in dem du trotz der spürbaren Unruhe losgehst und erlebst, dass du die Situation meistern kannst.

Und gerade in diesen Angstphasen habe ich gelernt, dass bestimmte mentale Techniken mir unglaublich nützlich und hilfreich sind. Hier kannst du diese persönlichen Erfahrungen lesen und auch mehr über diese Methoden lesen.

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