Selbstvertrauen und Angst

Selbstvertrauen und Angst

Wie Angst unser Selbstvertrauen verändern kann

Angst kann mehr verändern als nur das Gefühl in einer bestimmten Situation. Sie kann irgendwann auch beeinflussen, wie man über sich selbst denkt und handelt. Wer etwas immer wieder vermeidet, bekommt weniger Gelegenheit, die eigenen Fähigkeiten zu erleben. Was früher selbstverständlich war, wird plötzlich fraglich. Aus „Das mache ich nicht gerne“ kann „Das kann ich nicht“ werden. Aus einer einzelnen schwierigen Erfahrung entsteht möglicherweise ein allgemeines Urteil über die eigene Person. Gerade deshalb ist das Thema Selbstvertrauen bei Angst so interessant.

Selbstvertrauen – wenn aus einer Erfahrung ein Urteil über sich selbst wird

Stell dir vor, jemand bekommt während einer Autofahrt eine Panikattacke. Danach fährt er eine Weile nicht mehr. Das ist zunächst nachvollziehbar. Mit der Zeit kann daraus aber ein viel größeres Problem werden. Aus „Ich hatte beim Autofahren eine Panikattacke“ wird vielleicht „Ich kann nicht Autofahren“.

Und irgendwann sogar: „Ich kann andere Dinge einfach nicht.“ Daraus kann eine Pauschalisierung und Übertragung auf den gesamten Alltag werden.

Das sind drei völlig unterschiedliche Aussagen. Die erste beschreibt eine Erfahrung. Die zweite beschreibt eine Fähigkeit. Und die dritte beschreibt die eigene Person. Genau diese Entwicklung kann Selbstvertrauen beschädigen.

Ähnlich funktioniert es bei anderen Situationen. Wer einmal einen Vortrag nicht gut hinbekommen hat, hält sich vielleicht plötzlich für ungeeignet, vor Menschen zu sprechen. Wer einen Termin absagt, weil die Angst zu stark war, bewertet sich möglicherweise als schwach. Und wer einen Rückschlag erlebt, sieht darin nicht nur ein Problem, sondern einen Beweis dafür, dass mit ihm etwas nicht stimmt.

Angst kann dadurch das eigene Bild verzerren.

Jetzt kommt etwas Wichtiges: nämlich, dass Erfolge oft weniger Gewicht bekommen, obwohl wir trotzdem auch erfolgreiche Momente haben. Wenn etwas trotz Angst funktioniert, findet man schnell eine Erklärung dafür: Das war Zufall. Es lag nur daran, dass jemand dabei war. Heute hatte ich einfach Glück.

Ein Misserfolg wird dagegen sehr ernst genommen. Auf diese Weise entsteht ein ziemlich ungerechtes Konto. Die Niederlagen werden eingetragen. Die Erfolge werden gestrichen. Kein Wunder, wenn am Ende wenig Selbstvertrauen übrig bleibt.

Selbstvertrauen entsteht durch Erfahrungen

Selbstvertrauen lässt sich nicht einfach befehlen. Ein Satz wie „Du musst mehr an dich glauben“ ist schnell gesagt, bringt aber wenig, wenn die eigenen Erfahrungen seit Jahren etwas anderes vermitteln.

Vertrauen in sich selbst wächst vor allem dadurch, dass man erlebt, was man kann.

Dabei müssen die Erfahrungen nicht spektakulär sein. Eine Situation, die früher vermieden wurde, wird wieder ausprobiert. Ein Gespräch wird geführt, obwohl man nervös ist. Eine Fahrt wird unternommen. Ein Hobby wird wieder aufgenommen. Eine Aufgabe wird trotz Zweifel begonnen.

Vielleicht läuft alles gut oder am Anfang weniger. Das ist in Ordnung. Beides sind bloß Erfahrungen. Mehr nicht.

Besonders wichtig ist dabei, nicht nur das Ergebnis zu betrachten. Auch der Weg zählt. Wer etwas trotz Angst versucht, hat bereits eine neue Information über sich selbst gesammelt: Ich kann mich trotz meiner Angst bewegen. Das ist etwas anderes als: Ich darf erst handeln, wenn ich keine Angst mehr habe.

Auch Fehler gehören dazu. Ein gesundes Selbstvertrauen muss aushalten können, dass nicht alles funktioniert. Wer nur dann an sich glaubt, wenn alles perfekt läuft, besitzt kein besonders stabiles Fundament.

Vielleicht ist ein stärkeres Selbstvertrauen eher die Überzeugung: Ich kann etwas nicht können und bin trotzdem in Ordnung. Dieser Gedanke ist gerade bei Versagensangst wichtig. Scheitern wird sonst schnell persönlich genommen. Ein misslungener Versuch wird zum Urteil über den eigenen Wert.

Dabei kann ein Fehler schlicht bedeuten, dass etwas nicht funktioniert hat. Mehr nicht. Man muss daraus keine Charakteranalyse machen. Mit der Zeit können solche Erfahrungen wieder ein anderes Verhältnis zur eigenen Angst schaffen. Nicht unbedingt, weil die Angst verschwindet, sondern weil man sich selbst wieder mehr zutraut. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Angst kann sagen: Das wird schwierig. Selbstvertrauen kann antworten: Mag sein. Ich schaue es mir trotzdem an.

Genau diese Kombination ist für mich viel interessanter als die Vorstellung, Selbstvertrauen bedeute, keine Zweifel mehr zu haben.

Ein selbstbewusster Mensch darf unsicher sein und Fehler machen. Und dieser Mensch darf sich auch Sorgen machen. Ja, diese Menschen mit Selbstvertrauen haben sogar auch Angst.

Der entscheidende Punkt ist, dass diese Dinge nicht automatisch bestimmen, welchen Wert er sich selbst gibt.

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Erfahrungen überhaupt: Ich bin mehr als das, was mir Angst macht. Und ich verliere nicht die Hoffnung.

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