Selbstvertrauen – warum Angst unser Selbstvertrauen schwächen kann

Wenn Angst unser Denken über uns selbst verändert
Selbstvertrauen hatte für mich lange Zeit gar nicht so viel mit Angst zu tun. Ich dachte, Selbstvertrauen bedeutet, etwas zu können, Entscheidungen zu treffen oder sich etwas zuzutrauen. Erst durch meine eigene Erfahrung mit Angst habe ich gemerkt, wie eng beides miteinander verbunden sein kann.
Denn irgendwann geht es nicht mehr nur um die Frage, ob eine bestimmte Situation Angst macht. Es geht auch darum, was man danach über sich selbst denkt. „Das war schwierig“ kann sich langsam in „Das schaffe ich nicht“ verändern. Aus „Ich war unsicher“ wird „Ich kann so etwas einfach nicht“. Und wenn solche Gedanken immer wieder auftauchen, können sie das eigene Bild von sich selbst verändern.
Genau da wird die mentale Seite interessant. Ein Gedanke ist schnell formuliert, aber er kann ziemlich viel Einfluss darauf haben, wie ich mich selbst einschätze. Wenn ich mir ständig sage, dass ich etwas nicht schaffen werde, gehe ich natürlich anders an eine Situation heran, als wenn ich mir zutraue, zumindest einen Versuch zu machen.
Angst kann dabei ziemlich überzeugend sein. Sie liefert scheinbar gute Gründe für ihre Aussagen. Wenn ich etwas vermeiden konnte, fühlte es sich zunächst wie eine vernünftige Entscheidung an. Gleichzeitig fehlte mir dadurch aber die Erfahrung, dass ich eine solche Situation vielleicht doch hätte bewältigen können.
Wenn aus einem Gedanken ein Urteil über mich wird
Es begann nicht mit einem großen Verlust an Selbstvertrauen. Vieles entwickelte sich schleichend. Eine Situation machte Angst. Also überlegte ich, wie ich sie vermeiden konnte. Beim nächsten Mal war ich noch vorsichtiger. Irgendwann wurde aus dieser Vorsicht ein Gedanke, der immer vertrauter wurde: „Das kann ich nicht.“ Das Schwierige daran war, dass dieser Gedanke irgendwann gar nicht mehr wie eine Vermutung klang. Er fühlte sich wie eine Tatsache an. Ich hatte bestimmte Dinge schließlich schon öfter als schwierig erlebt. Also musste es wohl daran liegen, dass ich sie nicht schaffen konnte. So einfach war die Rechnung in meinem Kopf.
Heute sehe ich diese Schlussfolgerung anders. Wenn ich etwas immer wieder vermeide, bekomme ich schließlich kaum die Gelegenheit, eine andere Erfahrung damit zu machen. Dann kann ich schlecht feststellen, ob ich es tatsächlich nicht kann oder ob ich mich bisher nur nicht getraut habe. Auch die Gedanken vor einer Situation spielen dabei eine Rolle. Wenn ich bereits vorher davon ausgehe, dass ich etwas nicht schaffen werde, gehe ich mit einer ganz anderen inneren Haltung hinein. Ich beobachte mich stärker, suche nach Fehlern und achte darauf, ob sich meine Befürchtung bestätigt.
Damit kann sich ein Gedanke selbst verstärken. „Ich schaffe das nicht.“ Dieser Gedanke macht unsicher. Die Unsicherheit führt dazu, dass wir vorsichtiger werden oder ausweichen. Das Ausweichen verhindert eine neue Erfahrung. Und beim nächsten Mal scheint der ursprüngliche Gedanke bestätigt: „Siehst du, ich kann es eben nicht.“ Genau aus diesem Kreislauf wollte ich heraus. Sicherlich gehört dazu auch Mut, und zwar Mut-trotz-Angst weiterzugehen. Und genau das ist möglich, ich weiß es, aus meinen persönlichen Erfahrungen.
Selbstvertrauen bedeutet nicht, keine Angst zu haben
Mit der Zeit habe ich angefangen, Selbstvertrauen anders zu betrachten. Früher dachte ich ungefähr so: Wenn ich selbstbewusst bin, darf ich keine Angst haben. Heute erscheint mir das ziemlich unrealistisch. Angst und Selbstvertrauen können gleichzeitig vorhanden sein.
Ich kann unsicher sein und trotzdem eine Entscheidung treffen. Und ich kann Angst haben und trotzdem etwas ausprobieren. Auch Zweifel darf ich haben und trotzdem nicht sofort davon ausgehen, dass ich etwas nicht schaffen werde.
Für mich hat sich deshalb auch der Gedanke verändert, den ich einer schwierigen Situation mitgebe. Statt „Das schaffe ich ohnehin nicht“ hilft mir eher: „Ich weiß bisher nicht, wie es wird. Ich werde es aber versuchen.“
Das ist kein künstliches positives Denken. Ich rede mir damit nicht ein, dass alles problemlos funktionieren wird. Ich lasse lediglich offen, wie es ausgeht. Genau diese Offenheit ist für mich wichtig geworden.
Denn der Satz „Ich schaffe das nicht“ beendet die Sache bereits, bevor sie überhaupt begonnen hat. „Ich weiß nicht, ob ich es schaffe“, lässt dagegen noch eine Möglichkeit offen.
Und manchmal reicht diese kleine Veränderung im Gedanken schon aus, um anders zu handeln.
Mentale Gedanken, die mir mehr Selbstvertrauen geben
Ich versuche heute, meine Gedanken etwas genauer zu beobachten. Nicht jeder Gedanke muss sofort korrigiert werden. Aber manche Gedanken verdienen es, dass ich sie nicht einfach als Wahrheit übernehme.
Wenn mir „Das kann ich nicht“ durch den Kopf geht, frage ich mich inzwischen: Kann ich es wirklich nicht – oder habe ich bisher nur schlechte Erfahrungen damit gemacht?
Auch „Ich werde das nicht schaffen“ nehme ich nicht mehr automatisch als Tatsache. Ich kann nicht wissen, wie eine Situation ausgehen wird. Deshalb ersetze ich die vermeintliche Gewissheit nicht durch eine andere vermeintliche Gewissheit. Ich sage mir eher: „Ich weiß es nicht. Ich probiere es aus.“
Ein weiterer Gedanke hilft mir besonders: „Ich muss es nicht perfekt machen.“ Der Anspruch, alles richtig machen zu müssen, kann einen enormen Druck erzeugen. Wenn ich mir dagegen erlaube, Fehler zu machen oder etwas nicht sofort zu können, wird eine Situation oft schon ein Stück kleiner.
Auch meine bisherigen Erfahrungen versuche ich, bewusster einzubeziehen. Angst erinnert mich gerne an das, was schwierig war. Ich möchte deshalb genauso daran denken, was trotzdem funktioniert hat. Nicht um mir etwas schönzureden, sondern weil auch diese Erfahrungen zu meiner Geschichte gehören.
Selbstvertrauen entsteht durch eigene Erfahrungen
Am Ende helfen mir Gedanken allein allerdings nicht weiter. Ich kann mir hundertmal sagen, dass ich etwas schaffen kann – wenn ich anschließend alles vermeide, bekomme ich keine neue Erfahrung. Deshalb gehört für mich zum mentalen Umgang mit mangelndem Selbstvertrauen auch das Handeln. Nicht gleich der große Sprung. Eher ein Schritt, den ich mir tatsächlich zutraue.
Wenn ich etwas geschafft habe, versuche ich, das nicht sofort abzuhaken. Ich nehme es bewusst wahr. Das habe ich gemacht. Das war vielleicht nicht einfach, aber ich habe es gemacht.
Solche Erfahrungen sind für mich wertvoller als jeder aufmunternde Spruch. Sie liefern meinem Kopf etwas Konkretes, worauf er zurückgreifen kann. Dabei muss nicht jedes Ergebnis positiv sein. Auch etwas, das nicht funktioniert, kann eine wichtige Erfahrung sein. Dann weiß ich zumindest, dass eine bestimmte Befürchtung nicht automatisch bedeutet, dass ich grundsätzlich unfähig bin.
Selbstvertrauen bedeutet für mich heute deshalb nicht mehr: „Ich weiß, dass alles gut gehen wird.“ Es bedeutet eher: „Ich weiß nicht genau, was passieren wird. Aber ich traue mir zu, damit umzugehen.“ Dieser Gedanke fühlt sich für mich wesentlich realistischer an.
Und wenn die Angst trotzdem da ist, muss ich nicht sofort wieder zu dem alten Urteil zurückkehren: „Ich kann das nicht.“ Ich kann auch sagen: „Ich habe gerade Angst. Das ist etwas anderes, als dass ich es nicht schaffen kann.“
Genau diese Unterscheidung möchte ich mir immer wieder bewahren. Angst beschreibt ein Gefühl. Sie liefert aber nicht automatisch eine verlässliche Beschreibung meiner Fähigkeiten.
Mein Selbstvertrauen muss deshalb nicht davon abhängen, dass die Angst verschwindet. Es kann auch darin bestehen, mir trotz dieser Gedanken weiterhin etwas zuzutrauen.


