Hoffnung trotz Angst – warum sie so wichtig ist

Hoffnung trotz Angst – warum sie so wichtig ist

Hoffnung – warum Hoffnung so bedeutsam ist, wenn wir Angst haben

Hoffnung klingt irgendwie nach großen Worten, nach etwas Besonderem. Alles wird gut. Die Zukunft wird besser. Du musst nur daran glauben. Gerade wer Angst kennt, kann mit solchen Sätzen allerdings wenig anfangen. Wenn die Angst im eigenen Leben schon lange eine Rolle spielt, hilft es nicht besonders viel, wenn jemand von außen einfach behauptet, dass bald alles wunderbar werden wird.

Hoffnung muss deshalb für mich etwas anderes sein. Sie muss und kann keine Garantie liefern. Sie muss nicht versprechen, dass Angst und Panik vollständig verschwinden. Und sie kann bedeuten, dass wir langsam und Schritt für Schritt losgehen: mit dem Gedanken, dass das, was heute schwierig ist, nicht zwangsläufig für immer genauso bleiben muss.

Hoffnung – die Zukunft ist noch nicht entschieden

Angst kann sehr überzeugend sein. Besonders in schlechten Phasen fühlt sich die Zukunft schnell wie eine Verlängerung der Gegenwart an. Wenn heute etwas nicht funktioniert, scheint es logisch, dass es morgen ebenfalls nicht funktionieren wird. Genau hier kann Hoffnung einen wichtigen Platz bekommen.

Hoffnung sagt nicht: Es wird garantiert alles gut. Sie sagt eher: Ich weiß bisher nicht, wie es weitergeht. Das klingt zunächst nicht so richtig motivierend. Aber es ist eine wichtige Aussage.

Denn „Ich weiß nicht“ lässt Möglichkeiten offen. Und diese Möglichkeiten und Chancen können wir selbst ergreifen. Wir haben es in der Hand, aus diesem „Ich weiß nicht“ das zu machen, was unser Leben neu gestaltet. Situationen mit der Angst werden für uns leichter. Wir lernen, die Angst zu akzeptieren. Möglicherweise lernen wir neue Erkenntnisse, die uns bisher verborgen waren. Wichtig ist aber, dass wir keine Garantie brauchen, sondern allein der Weg das Ziel ist. Verbunden mit dem Wissen, dass eine schwere Phase nicht automatisch die nächsten Jahre bestimmen muss.

Auch ein Rückschlag ist nicht zwingend das Ende einer Entwicklung. Wer nach längerer Zeit wieder eine Panikattacke erlebt, kann zunächst das Gefühl bekommen, alles sei wieder kaputt. Im Rückblick kann sich jedoch zeigen, dass trotzdem vieles anders geworden ist. Fortschritt ist nicht immer daran zu erkennen, dass Angst verschwunden ist. Vielmehr erkennen wir diesen Fortschritt daran, wie wir an auf die Angst reagieren.

Hoffnung ist kein Schönreden

Ich halte es für wichtig, Hoffnung nicht mit positivem Denken zu verwechseln. Wer Angst hat, muss nicht vortäuschen, als wäre alles wunderbar. Eine schwierige Situation bleibt schwierig und die Panikattacke bleibt unangenehm. Ein Rückschlag darf enttäuschen. Hoffnung braucht keine rosarote Brille. Sie kann sogar neben Enttäuschung bestehen.

Man kann heute traurig sein und trotzdem hoffen, dass morgen wieder etwas besser läuft. Wir können auch eine schwierige Woche erleben und trotzdem einen Plan für die nächste Woche machen. Man kann sich gerade wenig zutrauen und trotzdem die Möglichkeit offenlassen, dass sich das wieder verändert. Ich sehe es so: Hoffnung ist genau deshalb so wichtig, weil sie verhindert, dass ein momentaner Zustand zum endgültigen Urteil wird.

Das gilt auch für Lebensfreude. Wer glaubt, erst nach vollständiger Angstfreiheit wieder Freude empfinden zu dürfen, verschiebt schöne Erfahrungen in eine ungewisse Zukunft. Hoffnung kann hier eine andere Richtung eröffnen: Das Leben darf auch jetzt weitergehen.

Ein schöner Plan für nächste Woche kann Hoffnung sein. Auch ein Treffen, auf das man sich freut. Das Hobby, das man wieder aufnehmen möchte. Die Reise, die bisher nicht möglich erscheint, aber auf der Wunschliste bleibt. Dieses Gespräch, das man irgendwann führen möchte.

Und, noch etwas, was ich gelernt habe: Hoffnung kann sogar darin liegen, sich selbst nicht endgültig aufzugeben. Das bedeutet nicht, dass man alles allein schaffen muss. Im Gegenteil: Unterstützung anzunehmen kann ebenfalls ein Zeichen dafür sein, dass man die eigene Zukunft noch nicht abgeschrieben hat. Vielleicht verändert sich das Leben nicht genau so, wie man es sich vorgestellt hat. Auch das gehört dazu. Hoffnung bedeutet nicht, dass alle Wünsche erfüllt werden. Sie bedeutet, dass man weiterhin mit Möglichkeiten rechnet.

Und diese Chancen, die wir alle haben, jeden Tag, sind bei Angst wichtig. Denn Angst erzählt gerne, was alles schiefgehen könnte. Hoffnung erinnert daran, dass es zahlreiche Chancen und Wege gibt.

Hoffnung ist deshalb für mich keine Parole. Sie ist eher eine Weigerung, die eigene Zukunft schon heute festzulegen und auch aufzugeben.

Heute kann schwer sein, ohne dass damit feststeht, wie morgen wird.

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