Autofahren macht mir Angst!

Warum auch das Autofahren plötzlich Angst auslösen kann?
Autofahren war für mich viele Jahre etwas völlig Normales, und ich habe nie darüber nachgedacht. Einfach einsteigen und losfahren. Das änderte sich jedoch im Laufe der Zeit, als die Angststörung immer stärker in den Vordergrund getreten ist.
Es kamen Gedanken auf, die ich vorher überhaupt nicht kannte. Was passiert eigentlich, wenn mir während der Fahrt schwindelig wird? Was mache ich, wenn mein Herz plötzlich rast? Und was ist, wenn genau jetzt eine Panikattacke beginnt? Also recht typische Symptome einer Angststörung.
Seltsam ist ja, dass ich eigentlich immer sehr gerne mit dem Auto unterwegs war. Aber eines Tages – zack – waren diese Gedanken da.
Das erste Mal, als wir Freunde besuchen wollten, die ca. 60 km entfernt wohnen. Keine große Entfernung. Die Strecke kenne ich im Schlaf, also kein Problem. Eigentlich!
Angst während der Autofahrt
Wir waren einige Kilometer unterwegs und auf einmal – ohne Vorwarnung – bekam ich einen Schweißausbruch. Mein Herz raste. Meine Frau merkte sofort, dass etwas nicht stimmte. Also auf den nächsten Rastplatz.
Meine Frau fragte, was los sei, und ich erklärte ihr, dass ich schon morgens ein komisches Gefühl hatte. Und darüber nachdachte: „Hoffentlich passiert heute kein Unfall“ und „Hoffentlich kommen wir wieder heil nach Hause.“ Wir sprachen ruhig über die Situation und meine Frau fuhr weiter. Ich konnte langsam wieder entspannen.
Was mir in der Nachbetrachtung vieler solcher Situationen auffiel, war, dass ich mir vor einer Autofahrt den Kopf zerbrochen habe und Fragen stellte: Was ist, wenn ich im Stau stehe? Was passiert auf einer Brücke? Hoffentlich wirft niemand einen Stein runter? Hoffentlich wird mir heute nicht schwindelig. Ich hoffte, dass kein Unfall passiert. Oder andere Fahrer nicht rücksichtslos fahren. Meine Gedanken hatten aus einer ganz normalen Autofahrt bereits ein riesiges Problem verursacht.
Diese Gedanken waren mein Problem – sie lösten die Angst aus
Ohne es bewusst zu merken, begann ich, mein Verhalten zu verändern. Manche Fahrten verschob ich lieber auf den nächsten Tag oder vermied sie ganz. Für längere Strecken fand ich Ausreden. Es erschien mir vernünftig. Schließlich wollte ich unangenehme Situationen vermeiden.
Genau darin lag allerdings die eigentliche Falle, wie ich heute weiß.
Mit jeder vermiedenen Fahrt bekam die Angst ein kleines Stück mehr Macht. Und damit steigerte sich die Angst. Erst später wurde mir bewusst, dass nicht das Autofahren mein Problem war. Es waren die Gedanken. Diese Katastrophen-Szenarien.
Meine Erfahrungen – wie ich lernte, wieder entspannt Auto zu fahren
Eine entscheidende Veränderung begann bei mir erst, als ich aufhörte, mir diese Schreckensszenarien auszumalen. Und langsam wieder – Schritt für Schritt – lernte ich, dass das Autofahren an sich nicht gefährlich ist.
Das bedeutete natürlich nicht, dass ich plötzlich völlig entspannt jede Strecke gefahren bin. Aber nach und nach gelang es mir.
Im Laufe der Zeit sammelte ich immer weitere praktische Erfahrungen, die mir Mut machten. Ich kam trotz meiner manchmal noch vorhandenen blöden Gedanken heil am Ziel an. Die befürchtete Katastrophe blieb also aus. Genau diese Erlebnisse haben mein Vertrauen langsam wieder wachsen lassen. Nicht innerhalb weniger Tage und auch nicht ohne Rückschläge, sondern Schritt für Schritt.
Falls dir Autofahren ebenfalls Angst macht, möchte ich dir zum Schluss einen Gedanken mitgeben. Verurteile dich nicht dafür. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie belastend diese Situation sein kann. Gleichzeitig weiß ich heute aber auch, dass sie nicht für immer so bleiben muss. Gib dir Zeit, setze dich nicht unter Druck und freue dich über jede Fahrt, die ein kleines bisschen leichter war als die vorherige.

