Panik – was passiert, wenn die Psyche verrückt spielt?

Panik – was passiert, wenn die Psyche verrückt spielt?

Panik – was geschieht jetzt plötzlich?

Es gibt Momente im Leben, die vergisst man niemals. Bei mir war es die erste Panikattacke. Bis heute weiß ich noch, wie sich alles innerhalb weniger Sekunden verändert hat. Eben war noch alles okay, im nächsten Augenblick raste plötzlich mein Herz, die Hände wurden feucht, die Beine weich und mein Kopf kannte nur noch einen einzigen Gedanken: Irgendetwas stimmt nicht. Es fühlte sich an als wenn die Welt um ich herum plötzlich nicht mehr real ist. Ich empfand meinen Körper seltsam.

Damals wusste ich nicht, dass die Psyche einen Menschen derart aus der Bahn werfen kann. Ich war überzeugt, schwer krank zu sein. Herzinfarkt, Schlaganfall oder irgendeine andere Katastrophe – alles schoss gleichzeitig durch meinen Kopf. An eine Panikattacke dachte ich keine Sekunde. Warum auch? Schließlich fühlte sich alles erschreckend echt an.

Heute, viele Jahre später, sehe ich diese Situation mit ganz anderen Augen. Trotzdem erinnere ich mich noch genau an dieses Gefühl völliger Hilflosigkeit. Genau deshalb schreibe ich diesen Artikel. Vielleicht erkennst du dich darin wieder. Vielleicht sitzt du gerade mit klopfendem Herzen vor dem Bildschirm und fragst dich, ob mit dir etwas nicht stimmt.

Dann lass mich dir gleich eines sagen: Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut.

Panik – Wenn der Körper plötzlich macht, was er will

Das echt Verrückte an einer Panikattacke ist nicht nur die Angst. Es ist der Körper, der plötzlich verrückt zu spielen scheint. Out of control.

Das Herz hämmert, als wäre man gerade einen Berg hinaufgerannt. Der Brustkorb fühlt sich eng an. Die Atmung verändert sich. Manche bekommen weiche Knie, andere zittern am ganzen Körper. Wieder anderen wird schwindelig oder übel. Manche glauben sogar, sie würden gleich ohnmächtig werden.

Und genau an diesem Punkt beginnt das eigentliche Problem. Denn unser Kopf versucht sofort, eine Erklärung zu finden. Leider sucht er nicht nach der harmlosesten, sondern nach der schlimmsten.

„Das Herz rast. Vielleicht ist es ein Infarkt.“ „Mir wird schwindelig. Gleich kippe ich um.“ „Ich bekomme keine Luft. Ich werde ersticken.“ „Mein Kopf fühlt sich komisch an. Ist es ein Schlaganfall.“

Wer so etwas noch nie erlebt hat, kann sich kaum vorstellen, wie überzeugend sich diese Gedanken anfühlen. Sie wirken nicht wie Vermutungen, sondern wie Fakten.

Panik – sie kommt aus heiterem Himmel

Viele glauben, eine Panikattacke müsse immer einen konkreten Auslöser haben. Bei mir war das in diesem Moment nicht so.

Manchmal saß ich gemütlich auf dem Sofa. Ein anderes Mal fuhr ich mit dem Auto. Oder ich stand ganz entspannt an der Supermarktkasse. War im Job. Und trotzdem war sie plötzlich da.

Genau das machte mir anfangs am meisten Angst. Wie soll man sich vor etwas schützen, das scheinbar jederzeit auftauchen kann?

Rückblickend glaube ich, dass mein Körper oft schon viel früher unter Spannung stand, ohne dass ich es bewusst wahrgenommen hatte. Die eigentliche Panik war dann nur noch der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Damals verstand ich das nicht. Ich wartete nur darauf, dass die nächste Panikattacke kam. Und genau dieses Warten wurde irgendwann selbst zu einer Belastung.

Angst vor der Panik – daraus entsteht neue Angst

Das ist wahrscheinlich einer der gemeinsten Tricks einer Angststörung. Irgendwann hat man nicht mehr nur Angst vor einer Situation. Man bekommt Angst vor der Angst. Und ja, auch die Angst davor, dass wir an einer Panikattacke sterben können. Warum das aber nicht stimmt, kannst du hier nachlesen.

Plötzlich beobachtet man sich ständig selbst. Jedes körperliche Empfinden wir wahrgenommen, beobachtet und analysiert.

Ich habe mich manchmal gefragt, wie viele Stunden ich eigentlich damit verbracht habe, in meinen Körper hineinzuhorchen. Viel zu viele.

Heute weiß ich, dass genau dieses ständige Kontrollieren die Angst am Leben gehalten hat. Damals hielt ich es dagegen für vernünftig. Schließlich wollte ich vorbereitet sein, falls etwas passieren sollte. Ironischerweise passierte genau dadurch immer wieder das, wovor ich solche Angst hatte.

Die Psyche spielt nicht verrückt – sie versucht dich zu schützen

Diesen Gedanken musste ich erst einmal verstehen. Früher sagte ich oft: „Mit meiner Psyche stimmt etwas nicht.“ Heute würde ich das nicht mehr so formulieren.

Meine Psyche wollte mich nicht ärgern. Sie wollte mich schützen. Das Problem war nur, dass sie überall Gefahren sah, wo gar keine waren.

Stell dir einen Rauchmelder vor, der schon losheult, wenn jemand eine Kerze anzündet. Der Rauchmelder ist nicht kaputt. Er reagiert einfach viel zu empfindlich. Genauso empfindlich kann auch unser inneres Alarmsystem werden. Das erklärt zwar nicht jede einzelne Panikattacke. Mir hat dieses Bild aber geholfen, mich selbst nicht mehr als „verrückt“ zu sehen.

Was sich bei mir verändert hat mit den Panikattacken

Lange Zeit wollte ich jede Panikattacke verhindern. Ich analysierte sie, suchte nach Ursachen und überlegte ständig, wie ich sie endgültig loswerden könnte. Irgendwann merkte ich, dass ich dadurch fast den ganzen Tag mit meiner Angst beschäftigt war.

Heute mache ich vieles anders. Wenn mein Herz einmal schneller schlägt, denke ich nicht sofort an das Schlimmste. Ein bisschen Schwindel bedeutet für mich nicht mehr automatisch Gefahr. Und falls sich doch einmal dieses alte Angstgefühl meldet, weiß ich inzwischen, dass es auch wieder vorbeigeht.

Nein, das gelingt mir nicht immer perfekt. Es gibt Tage, an denen ich genauso gestresst bin wie früher. Der Unterschied ist nur, dass ich mich davon nicht mehr komplett beherrschen lasse. Früher konnte mir eine Panikattacke den ganzen Tag zerstören. Heute ist sie höchstens noch ein kurzer Moment. Mehr nicht.

Meine Gedanken zu Panikattacken

Falls du gerade glaubst, deine Psyche spiele verrückt, möchte ich dir etwas mitgeben, das ich selbst erst nach vielen Jahren verstanden habe.

Du bist nicht verrückt und du bist auch nicht schwach. Und du bist schon gar nicht der einzige Mensch, dem es so geht.

Eine Panikattacke fühlt sich dramatisch an. Manchmal sogar lebensbedrohlich. Trotzdem ist sie etwas völlig anderes als das, was unser Kopf in diesem Moment daraus macht. Vielleicht dauert es eine Weile, bis du das wirklich glauben kannst. Das ging mir genauso.

Heute, nach über zwanzig Jahren mit einer Angststörung, weiß ich eines ganz sicher: Die Panik war nie mein Feind. Sie war ein übertriebener Alarm. Heftig, unangenehm und manchmal erschreckend. Aber eben nur ein Alarm. Seit ich das verstanden habe, hat sie viel von ihrer Macht verloren.

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