Angststörungen und Panikattacken 2026

Angststörungen und Panikattacken – und das Leben im Alltag
Während ich einen Artikel über meine Angststörung geschrieben habe, kam es mir in den Kopf. Genau vor 20 Jahren haben meine Angststörungen und die Panikattacken begonnen.
Und, ich habe mir die Frage gestellt: Wie wäre mein Leben wohl verlaufen, wenn diese Angststörung niemals aufgetaucht wäre? Mit Gewissheit lässt sich die Frage nicht beantworten. Aber eine andere Frage kann ich beantworten:
Ist es möglich, Angststörungen und Panikattacken zu überwinden?
Meine Antwort: Ja, das ist möglich.
Angststörungen und Panikattacken – wie können sie überwunden werden?
Gerade diese Möglichkeit, wie die Angststörungen und Panikattacken überwunden werden können, hat mich sehr lange beschäftigt.
Jeder, der an Angststörungen und Panikattacken leidet, weiß, wie viel Kraft es kostet, ständig in diesem Alarmmodus zu leben. Während andere Menschen ihren Alltag ganz normal leben, läuft bei Menschen mit Angst und Panik ständig ein Film im Kopf ab. Es werden pausenlos Situationen und Gefahren präsentiert und analysiert. Sei es den eigenen Körper betreffend, beispielsweise, dass plötzlich das Herz heftig schlägt oder ein Schwindelgefühl auftritt? Vielleicht auch über nicht vorhandene Gefahren, die Menschen im Umfeld betreffen könnten. Die Grübelspirale ist schnell in Gang gesetzt und lässt sich kaum stoppen.
Später ist das Gefühl da, dass sich das ganze Leben verändert hat. Vieles passiert nicht mehr so einfach und spontan wie vorher. Statt Vorfreude bestimmen Zweifel, Unsicherheiten und Sorgen den Tag. Kann ich zum Einkaufen, ohne dass ich Panik habe? Was mache ich, wenn mir unterwegs während der Autofahrt schlecht wird? Besteht eine Möglichkeit, schnell wieder nach Hause zu kommen? Solche Gedanken entwickeln sich allmählich. Sie werden dann zu einem ständigen Begleiter. Am Ende trifft nicht mehr man selbst die Entscheidungen, sondern die Angst.
Und alles das kenne ich, über 20 Jahre, und ich weiß, wie sich das anfühlt.
Angst und Panik – wie uns das verändert
Viele Menschen glauben, eine Angststörung besteht einfach aus Angst, dann ist alles vorbei. Es ist aber anders. Nicht nur, dass Angststörung nicht bloße Angst ist, und Panikattacken nicht einfach nur Panik. Vielmehr spielen sich die echten Kämpfe auch zwischen zwei Angstperioden oder Panikattacken ab. Unser Körper steht ständig im Fokus. Wir kontrollieren uns und die Umgebung, auch unsere Erlebnisse, ständig. Kaum taucht ein komisches Gefühl auf, beginnt die Suche nach einer Erklärung. Zum Beispiel wird aus einem harmlosen Herzstolpern innerhalb weniger Sekunden eine ernsthafte Erkrankung. Der Kopfschmerz reicht aus, dass wir nicht nur Angst, sondern Panik haben. Geht es einem unserer Liebsten nicht gut, kommen sofort Katastrophen-Gedanken auf. Setzen wir uns ins Auto, denken wir gleich darüber nach, was alles passieren könnte.
Mir ging es über viele Jahre so. Rückblickend war ich wahrscheinlich der aufmerksamste Beobachter meines eigenen Körpers. Alles hatte plötzlich eine Bedeutung. Und auch das „Normale“, was alle Menschen erleben, wurde zu einem Problem gedacht.
Und genau das ‚trainiert‘ uns, indem wir dann überall Gefahren entdecken und grübeln. Das aber empfinden wir als normal, es ist für uns dann nicht mehr unrealistisch. Wer mitten in einer Panikattacke steckt, glaubt schließlich nicht, dass gerade „nur“ Angst dahintersteckt. In diesem Moment fühlt sich alles echt an. Genau deshalb fällt es vielen so schwer, diesen eigenen, aber unrealistischen Gedanken nicht zu glauben.
Leben – wenn alles sich wie in einer Blase anfühlt
Eine Angststörung schränkt unser Leben nicht von heute auf morgen komplett ein. Es ist ein Prozess. Anfangs nehmen wir wahr, dass wir Ängste haben. Zum Beispiel, dass wir uns beim Einkaufen unsicher fühlen. Möglicherweise etwas Panik empfinden. Dann vermeiden wir diese Situationen am liebsten. Oder bei einer Autofahrt hatten wir ängstliche Gefühle. Fahren vielleicht weniger längere Strecken mit dem Auto. Vielleicht mögen wir nicht mehr viele Menschen in geselliger Runde. Sagen Termine ab. Das führt im Laufe der Zeit zu immer mehr Vermeidungsverhalten.
Zunächst versuchen wir, das nach außen zu verheimlichen. Niemand soll das erkennen, was wirklich ist. Dann kommt diese Angst genau davor auch noch hinzu. Wir sind Schauspieler, und versuchen, die Wahrheit zu verbergen. Aber bald haben wir die Kraft nicht mehr dazu. Wir reagieren. Indem wir uns zurückziehen, menschliche Zusammenkünfte absagen, das Autofahren vermeiden, ebenso die Einkäufe.
Manche Menschen denken dann über uns, dass wir keine Lust haben, oder wir seien bequem, nicht gesellig, möglicherweise eigenbrötlerisch. Tatsächlich steckt eben etwas vollkommen anderes dahinter, nämlich unsere Ängste und die Panik.
So entstand auch bei mir Schritt für Schritt eine andere Welt, in der wir dann leben. Inzwischen weiß ich, dass fast alle diese Verhaltensweisen durch die Angst bestimmt waren. Ich dachte, es brächte mir Sicherheit, aber sie nahmen mir die Freiheit.
Das Schlimme an all dem war auch die Erkenntnis, dass ich mein Leben immer stärker nach meiner Angst ausrichtete. Plötzlich stellte sich nicht mehr die Frage, worauf ich Lust hatte, sondern ich dachte darüber nach, was ich mir überhaupt noch zutrauen kann.
Veränderung – die Erkenntnis, was sich verändern muss
Ich hoffe immer wieder, dass ich morgens aufwache – und zack – die Angst ist weg.
Möglicherweise ist das ein solcher Wunschgedanke, den viele mit Angst und Panik verspüren. Man wartet darauf, endlich wieder der Mensch zu sein, der man früher einmal war. Leider funktioniert das so nicht. Angst und Panik verschwinden nicht von heute auf morgen.
Meine Idee war: Okay, wenn diese Angst wieder weg ist, dann fahre ich mit dem Auto wie früher. Erst wenn ich keine Panikattacke mehr habe, treffe ich mich mit anderen Menschen. Und dann, wenn wir keine Angst mehr haben, dann werde ich wieder Freude haben und glücklich sein. Oder auf andere Art formuliert: Solange die Angst noch da ist, empfinde ich weder Lebensfreude noch Glück. Genau dieser Gedanke hielt mich über Jahre fest. Rückblickend war das wahrscheinlich einer meiner größten Fehler.
Es ist so, dass das Leben nicht darauf wartet, bis wir einmal vollkommen angstfrei sind. Während wir auf den perfekten Zeitpunkt warten, vergehen Monate oder sogar Jahre. Wir schauen dabei nur auf das, was nicht funktioniert. Auf diese Angst und Panik, auf unsere Vermeidungsstrategien, unser fehlendes Glück.
Erst im Laufe der Zeit habe ich verstanden, dass Veränderungen immer nur dann möglich sind, wenn wir aktiv werden. Jede Situation, die trotz Angst gemeistert wird, hinterlässt eine positive und stärkende Erinnerung. Anfangs sind diese Erinnerungen noch unscheinbar. Mit der Zeit werden es immer mehr, und genau daraus wächst langsam neues Vertrauen.
Gedanken und Grübeln sind unsere Gegner
Jeden Tag diese negativen Gedanken, das Grübeln, das Sichsorgen – das hält die Angst fest.
Schon morgens ging es los, und setzte sich bis zum Abend fort. Und immer diese Hoffnung: Vielleicht wird es heute endlich besser. Mal ohne Angst und Panik den Tag leben.
Oder: Nein, heute möchte ich nicht grübeln oder mir Sorgen machen. Hoffentlich habe ich heute mal keine Panik.
Stundenlang kreisten dieselben Gedanken durch meinen Kopf. Die Angst blieb, die Panik kam und das Vermeiden ist nicht verschwunden.
Hoffnung und Mut trotz der Angst
Besonders in den schweren Phasen hatte ich das Gefühl, dass ich mein altes Leben nie wieder zurückbekommen würde. Die Zukunft bestand aus Angst und Unsicherheit. Gerade auch deshalb, weil sich die Angst so mächtig anfühlt, nicht kontrollierbar.
Ich las einen Artikel über die Gedanken, die uns verändern und beeinflussen. Das war, wie wir unsere Gedanken säen, das sind wir. Dann dachte ich darüber nach.
Ich habe mir ein Ziel gesetzt, weil ich erkannte, dass ich umso mehr Angst habe, je mehr ich darüber nachdenke. Und je mehr ich grübelte, umso heftiger war die Angst.
Da ich mittlerweile sehr viel Kraft verloren hatte, entschied ich mich dazu, die Angst hinzunehmen oder zu akzeptieren. Es war eine Trotz-Entscheidung. Ich konnte nicht mehr. Also dachte ich, dass mich die Angst mal kann.
Seltsamerweise hat diese Trotzreaktion dazu geführt, dass ich weniger über Angst nachdachte. Auch deshalb, weil ich mich nun entschieden habe, etwas vollkommen anderes und Neues auszuprobieren.
Ich wollte lernen, wie die Erstellung einer Website funktioniert. Also ‚kniete‘ ich mich genau da rein. Google wurde befragt und es machte Spaß. Das war jetzt eine vollkommen andere Herausforderung geworden. Okay, die Angst war nicht komplett weg. Aber, die Gedanken haben sich verändert.
Es hat mir Hoffnung gemacht und mir neuen Mut mit auf den Weg gegeben.
Dann spürte ich, wie die guten Tag mehr wurden. Es kamen auch wieder Rückschläge. Manchmal dachte ich dann, es wird nichts. Ich habe trotzdem weitergemacht, und das war die richtige Entscheidung. Es geht nur Schritt für Schritt voran.
Lebensfreude trotz Angst
Lebensqualität bedeutet nicht, niemals wieder Angst zu haben. Jeder Mensch erlebt Angst. Wichtig ist aber zu sehen, dass Menschen mit Angststörung und Panikattacken es deutlich schwerer haben, aus dieser Angstspirale herauszukommen.
Das Wichtigste ist aber: Du kannst da herauskommen. Ich habe es geschafft, und warum nicht auch du?
2026 – Angststörungen und Panikattacken haben 20 Jahre mein Leben bestimmt. Manchmal habe ich auch heute Angst. Aber im Unterschied zu früher erkenne ich sie frühzeitig und weiß, dass ich sie akzeptieren kann. Ich habe gelernt, mit ihr umzugehen. Nicht, indem ich über sie nachdenke, oder sie bekämpfe, sondern indem ich sie als Teil meines Lebens sehe. Als jemand, der mir zwar manchmal auf die Nerven geht, aber mein Leben nicht mehr bestimmt.
Viele Jahre durfte sie bei mir alles bestimmen. Sie entschied, wohin ich ging, was ich mir zutraute und worauf ich lieber verzichtete. Später habe ich mir mein Leben wieder zurückgenommen. Nicht mit einem Kampf und nicht durch einen geheimen Trick, sondern mit Geduld, vielen kleinen Erfahrungen und der Bereitschaft, mich trotz aller Unsicherheit wieder auf das Leben einzulassen.
Ich hätte vor vielen Jahren nie gedacht, dass ich einmal so offen über meine Angst sprechen würde. Noch weniger hätte ich geglaubt, dass ich anderen Menschen dadurch vielleicht Mut machen kann. Genau deshalb gibt es diese Internetseite. Sie ist entstanden im Verlaufe von einigen Jahren, in denen ich meinen Weg gefunden habe, mit der Angst und Panik zurechtzukommen.
Und nein, ich kenne nicht „die“ Lösung. Auch keinen Fünf-Punkte-Plan. Sondern nur meine persönlichen Erfahrungen.
Tipps aus meinen Erfahrungen mit Angst und Panik
Nach mehr als zwanzig Jahren mit Angststörung und Panikattacken werde ich oft gefragt, welche Tipps mir am meisten geholfen haben. Offen gesagt gibt es keinen geheimen Trick und auch keine Zauberformel, die alles innerhalb weniger Tage verändert. Wäre es so einfach, gäbe es wahrscheinlich kaum noch Menschen, die unter einer Angststörung leiden.
Trotzdem habe ich auf meinem Weg Erfahrungen gesammelt, die mein Leben Stück für Stück verändert haben. Nicht jede davon hat sofort funktioniert, manche sogar erst nach langer Zeit. Rückblickend haben sich genau diese kleinen Veränderungen jedoch zu etwas Großem entwickelt.
Mir hat geholfen, zu akzeptieren, dass Angst zunächst einmal nur ein Gefühl ist und kein Beweis dafür, dass tatsächlich Gefahr besteht. Das klingt einfach, ist im Alltag aber oft eine echte Herausforderung. Während einer Panikattacke fühlt sich schließlich alles erschreckend real an. Genau deshalb braucht es Geduld, bis der Kopf und das eigene Nervensystem langsam wieder Vertrauen aufbauen.
Ebenso wichtig war für mich, nicht ständig auf den perfekten Tag zu warten. Wer sein Leben erst beginnen möchte, wenn die Angst vollständig verschwunden ist, verschenkt oft wertvolle Monate oder sogar Jahre. Viel sinnvoller war es, trotz der Unsicherheit wieder Erfahrungen zu sammeln. Ein kurzes Treffen mit anderen Menschen. Oder ein Einkauf oder eine Autofahrt von wenigen Kilometern. Solche Erlebnisse sind so wichtig, weil sie uns positive Erfahrungen sammeln lassen.
Ein weiterer Punkt wird meiner Meinung nach häufig unterschätzt. Rückschläge gehören dazu. Früher haben sie mich völlig entmutigt. Heute weiß ich, dass ein schlechter Tag nicht bedeutet, wieder ganz am Anfang zu stehen. Niemand entwickelt sich auf einer geraden Linie. Das gilt für eine Angststörung genauso wie für viele andere Herausforderungen im Leben.
Und diese neue Herausforderung – mit 61 habe ich angefangen, mich mit Websites, Webhosting und WordPress zu beschäftigen. Das hat mir nicht nur eine neue Aufgabe gegeben, sondern auch die Chance, über etwas Schönes nachzudenken, was wirklich Spaß macht.
Falls ich dir zum Schluss nur einen einzigen Tipp mitgeben dürfte, dann wäre es dieser: Verliere niemals die Hoffnung.
Auch wenn dir deine Angst heute erzählt, dass sich nie wieder etwas ändern wird, musst du ihr nicht alles glauben. Sie hat mir über viele Jahre eingeredet, mein Leben würde für immer so bleiben. Sie hat sich nicht nur geirrt, diese Angst hat mir 20 Jahre meines Lebens wirklich Blödsinn erzählt.
Ich habe gelernt trotz der Angst und Panik ein Leben mit Freude zu leben. Ja, ich lebe wieder gerne.
Aus einer Idee ist diese Website entstanden – meine Angst-Erfahrungen.
Meine Frau und ich leben gerne mit unseren vier Hunden zusammen. Über viele Jahre Erfahrungen mit Hunden haben wir auf der Seite www.hunde-pfote.de aufgeschrieben.
Und was mir auch sehr viel Spaß macht: Beobachtungen im Alltag. Entweder als Gedankenwichtel – oder mit dem Comic-Partner Rudi Quatschko auf leben-und-alltag.de.
Ja, auch wenn es vielleicht seltsam klingen mag: Auch trotz der Angst das Leben mit Humor betrachten, das hilft meistens, das Leben lockerer zu sehen. Ängste treten auch so häufig in den Hintergrund.

